Erfahrungsberichte:
Sehbehinderten- und Blindenschiwoche in Hintermoos, 6. bis 10. Jänner (Veranstalter: Blindsports Austria)
Circa 17 Jahre ist es her, als ich aufgrund des Fortschreitens meiner Sehbehinderung von Alpinschi auf Langlaufschi umgestiegen bin. Heuer wagte ich mich wieder zurück auf die Piste und suchte mir dafür die Sehbehinderten- und Blindenschiwoche in Hintermoos bei Maria Alm aus, bei der in den vergangenen Jahren schon einige Mitglieder unseres Forums mitgefahren sind.
Am Tag der Ankunft ging es erst einmal ums Kennenlernen. Man merkt, dass sich hier jährlich großteils immer wieder dieselben Menschen treffen, das Miteinander ist vertraut, fast schon familiär. Zwei blinde Schifahrer und ich (hör- und sehbehindert) waren die Neulinge, die herzlich von der Gruppe aufgenommen wurden. Mir wurde ein Guide, Alexandra aus Vorarlberg, zugeteilt, mit deren Unterstützung ich die vom Kursleiter zur Verfügung gestellte Funkanlage auf meinem Helm montierte. Auf diese Weise werden auf der Piste die Kommandos durchgegeben. Die Kommandos konnte ich auf diese Weise auch trotz meiner Hörbehinderung sehr gut verstehen.
Im abendlichen Meeting um 19 Uhr, das täglich stattfand, wurden die Pistenbedingungen und das Programm für den (jeweils) folgenden Tag besprochen.
Dann war es soweit, endlich wieder auf Schiern stehen. Raus aus der Unterkunft, einmal ums Eck und schon kann man die Schi anschnallen und über eine „Zauberwiese“ (Kinderschipiste) und einen kurzen Ziehweg ins Schigebiet des Aberg gelangen. Wir starteten mit einer Festlegung der Kommandos und einer Standortbestimmung auf der „Zauberwiese“. Immer schön knapp hinten am Guide dranbleiben, beim Kommando „und hopp“ einen Schwung machen, den abgeschlossenen Schwung meinerseits mit „Passt“ rückmelden, und so weiter. Das Gefühl für den Schi war selbst nach 17 Jahren schnell wieder zurück, weshalb wir nach kurzer Zeit ins Schigebiet
wechselten. Bei strahlendem Sonnenschein, perfekten Pistenbedingungen und den Hochkönig vor uns carvten wir die Pisten runter. Anfangs noch etwas zögerlich, dann schon immer sicherer. Dieses Gefühl hatte ich echt vermisst.
Und so vergingen dann die restlichen Tage in Windeseile. An einem Nachmittag wechselten wir in ein anderes, kleineres Schigebiet namens Hinterreith, in dessen oberem Steilhang bereits Weltcup-Schifahrer wie etwa Henrik Kristoffersen trainierten. Am vorletzten Tag waren die Pistenbedingungen infolge des Neuschnees wesentlich schwieriger, womit ich teilweise schon meine Probleme hatte, zumal ich oftmals unfreiwillig beschloss, statt den Hügel auf der Piste zu umfahren, direkt reinzufahren.
Abgesehen vom Schifahren kam der Austausch bei Frühstücks-, Mittags- und Abendbuffet in der Unterkunft sowie bei gelegentlichen Kaffees auf der Tischler Hütte im Schigebiet nicht zu kurz. Ich fühlte mich sehr wohl in der Gruppe und würde mich freuen, nächstes Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Vielen Dank an die exzellenten Begleitsportler, an unseren Trainer Alex und allen voran an meine Guidin Alex!
– Gerald Schiller
Kunstausstellung „Haptische Kunst“ von Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit

Blick in den Raum der Kunstausstellung in der alten WU. Auf der rechten Wand steht „Haptische Kunst“, davor stehen Tische mit Sensibilisierungsmaterialien und zwei Personen, welche sich das anschauen. Links führt ein schmaler roter Teppich am Boden als Führungslinie in den Raum.
Im Oktober 2025 fand eine wirklich tolle haptische Kunstausstellung in Wien statt. Bei dieser konnten zum ersten Mal in Österreich Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit ihre Kunstwerke präsentieren! Auch gehörlose Künstler:innen konnten in den Räumlichkeiten der Alten Wirtschaftsuniversität ihre Kunstwerke ausstellen. Die Kunstausstellung wurde vom Verein Gebärdenverse organisiert, welcher die künstlerische und mediale Teilhabe der Tauben Kultur und Taubblinden Community fördert.
9 Künstler:innen aus ganz Österreich beteiligten sich an der Kunstausstellung, wovon 2 davon aus Tirol waren. Zu den Künstler:innen zählten Anita Schachinger, Cecilia Göbl, Horst Oberndorfer, Julia Moser, Lydia Kremslehner, Margit Lusser, Marko Lalic, Peter Dimmel und Victoria Vörös. Nach der Eröffnung am 3. Oktober konnte die Kunstausstellung bis einschließlich 31. Oktober besichtigt und mit allen Sinnen erlebt werden.
Denn die Besonderheit bei dieser Ausstellung war die haptische Kunst, welche sowohl visuell sichtbar als auch fühlbar war. Das heißt alle Kunstwerke konnten angefasst und auch auf verschiedenen barrierefreien Ebenen zugänglich gemacht werden. Wenn die Kunstobjekte ausschließlich 2-dimensional angefertigt wurden oder zu fragil zum Anfassen waren, wurde vom Verein Gebärdenverse daraus Modelle aus dem 3D Drucker angefertigt.

Gruppenfoto von links nach rechts mit Oliver Suchanek (Obperson Verein Gebärdenverse), Lydia Kremslehner (USH-TB Ansprechpartnerin Tirol) und Paula Scharnagl (TBA). Alle lachen und stehen vor einer künstlerisch gestalteten Wand aus Augen, Symbolen, Lormhänden, Sprechblasen usw.
Genauso wurden die Informationen der Kunstausstellung in vielerlei Hinsicht umfassend barrierefrei aufbereitet. So konnten die Beschriftungen mit taktilen Tafeln erfasst und die Kurzbiografien der einzelnen Künstler:innen sowohl in Schwarzschrift, Braille als auch in leichter Sprache gelesen werden. Neben den wichtigen Führungen in Österreichischer Gebärdensprache gab es auch begleitend Workshops zu Taubblindheit, Inklusion und Kunst.
Auch die vielen Sitzmöglichkeiten und der rollstuhlgerechte Zugang zum Gebäude trugen dazu bei, dass diese Ausstellung ein tolles Erlebnis ohne Barrieren war. Meines Erachtens war dies die allererste Kunstausstellung, welche hinsichtlich der Barrierefreiheit derart vollumfassend organisiert und für wirklich alle Menschen zugänglich war.
Damit war die Kunstaustellung nicht nur ein Erlebnis für alle
Sinne sondern trug zur kulturellen und künstlerischen Sichtbarkeit von Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit bei.
Bei Interesse an Gebärdenverse und weitere Informationen siehe Homepage:
https://gebaerdenverse.at/kunstausstellung/
Lydia Kremslehner MA, November 2025

Ein Kunstwerk eines schwarz-grauen Gorillas aus flauschigem Stoff sitzt auf einem Feld aus Moos und guckt in die Kamera.

Kunstwerk Acryl auf Leinwand: Landschaft mit einer gelb-grünen ertastbaren Wiese, einem großen ertastbaren Baum und einem blauen Himmel.

Zwei Bilder hängen an der Wand, davor steht ein kleiner Tisch mit den Unterlagen der Künstler:in. Auf den Bildern ist eine Landschaft in Rot, Gelb und Schwarz und ein Tigerkopf in Farbe
Qualifizierung von Taubblinden-Assistenz in Österreich
Es gibt einen Grund zum Feiern! 17 Taubblinden-Assistent:innen haben mit Ende September 2025 ihre Qualifizierung erfolgreich abgeschlossen! Das ist erstmalig in Österreich, dass Taubblinden-Assistent:innen (TBA) ausgebildet wurden!
Die Qualifizierung erfolgte über die ÖHTB Beratungsstelle für Menschen mit Hörsehbehinderungen und Taubblindheit in Wien im Rahmen des Leuchtturm-Projektes „Brücken bauen“. Das Projekt wird mit Mitteln aus dem Innovations- und Inklusionsfonds von Licht ins Dunkel und dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz finanziert. Mithilfe des Projektes soll TBA in ganz Österreich für alle taubblinden und hörsehbeeinträchtigten Menschen ermöglicht werden.

Quelle Foto: ÖHTB Beratungsstelle für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen Bildbeschreibung: Gruppenfoto von Teilnehmer:innen der Qualifizierung zur Taubblinden-Assistenz. Alle gebärden „Assistenz“ bzw. „Helfen“.
Derzeit ist das Berufsbild der TBA in Österreich nicht anerkannt, auch die Finanzierung dessen ist gesetzlich nicht geregelt. Viele Menschen mit
Hörsehbehinderung und Taubblindheit leben in Isolation, da viele Menschen die Kommunikationsformen und -hilfen wie etwa taktiles Gebärden, haptische Kommunikation, Lormen usw. meistens nicht beherrschen. TBA wenden diese Kommunikationsformen und -hilfen in Kombination der sehenden Begleitung an, womit sie ein wichtiges Bindeglied der Betroffenen zur Außenwelt sind. Aus dem Grund ist die Qualifizierung von Taubblinden-Assistenz so wichtig.
Mithilfe der Kundgebung und medialen Sichtbarkeit hoffen wir, dass TBA zukünftig gesetzlich verankert und als eigene qualifizierte Dienstleistung in allen Bundesländern angeboten wird. Wir hoffen auch, dass dieses Projekt eine Grundlage für eine dauerhafte Ausbildung und Qualifizierung von TBA bildet, da viel mehr TBAs zur Versorgung von den geschätzten 2000 Betroffenen notwendig sind.
Lydia Kremslehner MA, November 2025
Parlamentsbesuch im März in Wien
Am 29.03.2025 ging es für alle interessierten Teilnehmer:innen des Forum Usher-Taubblind ins österreichische Parlament.
Trotz wechselhaftem Wetter trafen wir – angereist aus ganz Österreich – uns am Samstagvormittag im Foyer des Besucherzentrums des Parlaments. Nach einer kurzen Sicherheitskontrolle – ganz wie am Flughafen – gelangten wir in den Eingangsbereich des Besucherzentrums, die „Agora“. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Marktplatz“. In der Antike war die Agora ein zentraler Versammlungsort; passend also für das Herzstück des Besucherbereichs. Dank der Generalsanierung präsentiert sich dieser Raum heute modern, hell und barrierefrei.
Nach dem Abholen und Einrichten der Funkkopfhörer lernten wir unseren Guide Ernesto kennen. Der gut gelaunte und humorvolle Mann begrüßte uns herzlich, bevor es zur ersten Station ging – der Parlamentsbibliothek. Mit rund 400.000 Büchern zählt sie zu den größten politischen Fachbibliotheken Österreichs. Der Bestand, der sich schwerpunktmäßig mit Recht, Politik und Geschichte befasst, kann wie in jeder anderen Bibliothek ausgeliehen werden, dient aber in erster Linie als Arbeits- und Referenzquelle für Abgeordnete und Mitarbeiter:innen.
Nach einem kurzen Blick auf die Bücher ging es quer durch die Agora in ein Stiegenhaus. Dieses Stiegenhaus mit Lift entstand im Zuge der jüngsten Renovierung, indem mehrere kleinere Räume neben- und übereinander zusammengelegt wurden. Die dabei erhaltenen alten Türrahmen verleihen dem hohen, schlanken Raum eine spannende Optik.
Unser nächstes Ziel war die beeindruckende Säulenhalle. Der mächtige Raum mit Marmorboden und Glasdach wird von 24 monolithischen Säulen aus Adneter Rot-Grau-Schnöllmarmor getragen. Während der Luftangriffe im Februar 1945 wurden zwei Säulen zerstört; sie wurden 1950 durch neue Säulen aus demselben Steinbruch ersetzt und sind an ihrer etwas anderen Farbnuance zu erkennen. An einer weiteren Säule lassen sich bis heute leichte Bombensplitter-Spuren ertasten – ein stilles Mahnmal der Ereignisse.
Von der Säulenhalle wechselten wir in den historischen Bundesversammlungssaal. Er blieb im Krieg weitgehend unversehrt und ist noch original erhalten, einschließlich des reich verzierten Glasdachs. Jeder Abschnitt des halbrunden Dachs stellt symbolisch einen Buchrücken dar. In einem Halbkreis vor der römisch anmutenden Statuenwand befinden sich die hölzernen Bänke mit 512 Sitzen, auf denen einst die Abgeordneten des Unterhauses der Donaumonarchie Platz nahmen. Mangels gemeinsamer Sprache ging es hier oft turbulent zu, weshalb man den Saal damals scherzhaft „Tintenkammer“ nannte: Nicht selten flogen schwere Glas-Tintenfässer. Heute ist der Raum für reguläre Sitzungen zu groß, weshalb der Bundesrat inzwischen im umgebauten ehemaligen Budgetsaal tagt. Um die Saalgröße für unsere vollblinden Mitglieder erlebbar zu machen, ging Ernesto laut sprechend hinter der Absperrung einmal quer durch den Raum und demonstrierte damit die Akustik – eine nette Geste.
Danach folgte die „Hauptattraktion“: der Sitzungssaal des Nationalrats, häufig einfach Plenarsaal genannt. Da an Wochenenden keine Sitzungen stattfinden, durften wir den Saal auf Ebene des Plenums betreten – werktags ist normalerweise nur der Besucherbalkon zugänglich. Der ursprüngliche Herrenhaussaal im neogriechischen Stil wurde 1945 durch Bombentreffer fast vollständig zerstört; der 1956 errichtete Neubau wurde bewusst schlicht gehalten. Im Rahmen der jüngsten Generalsanierung erhielt der Saal ein neues Glasdach, moderne Technik (unter anderem auch eine Induktionsanlage) sowie deutlich flachere Ränge, sodass Rollstuhlnutzer:innen überall sitzen können. Nach Ernestos Erklärung durften wir die Plätze frei wählen – sogar die Regierungsbank war erlaubt. Von dort bietet sich ein eindrucksvoller Blick über das Plenum, insbesondere vom höhenverstellbaren Rednerpult. Die Sitze sind überraschend bequem und an jedem Platz lässt sich per Knopfdruck ein Info-Monitor ausfahren – diese Funktion war während unseres Besuchs allerdings deaktiviert. Mehrere von der Decke hängende Mikrofone zeichnen jede Wortmeldung auf.
Nach einiger Zeit im Plenarsaal endete die Führung und wir kehrten zur Agora zurück. Dort gaben wir die Headsets ab, bedankten uns bei Ernesto und ließen das Gesehene kurz Revue passieren. Einen so unmittelbaren Blick ins Zentrum der österreichischen Demokratie zu werfen, ist wirklich beeindruckend.
Zum Abschluss fuhren wir noch hinauf ins Café Kelsen im obersten Stockwerk, wo wir den Tag bei Kaffee und kleinen Snacks gemütlich ausklingen ließen.
Insgesamt fanden wir den Besuch hochinteressant. Die Renovierung verbindet modernen Komfort mit respektvoller Bewahrung des historischen Ambientes. Besonders positiv fiel die durchgehende Barrierefreiheit auf: nahezu alle Wege sind ebenerdig oder per Lift erreichbar, Stolperfallen wurden beseitigt und die Säle sind gut ausgeleuchtet. Auch die Headsets und Induktionsgeräte funktionierten tadellos, sodass selbst unsere schwerhörigen Mitglieder alles mitverfolgen konnten. Die Dolmetschung für unsere gehörlosen Mitglieder wurde ohne großen Aufwand und kostenlos für die Dauer der Führung vom Parlament zur Verfügung gestellt.
Ich selbst werde sicher noch einmal ins Parlament zurückkehren – es gibt noch einige Räume, die wir diesmal nicht geschafft haben.
Es war eine Freude, diese Erfahrung gemeinsam zu machen. Bis zum nächsten Vereinsevent!
– Felix Klein
Hier ist ein Erfahrungsbericht eines Betroffenen bei seinen Reisen. Er war in Helsinki in Finnland unterwegs! Bitte den Link anklicken und weiterlesen. Viel Spaß beim Lesen!
Bericht über das Forum-Seminar 2022 im Bildungshaus St. Magdalena
Das „Forum für Usher-Syndrom, Hörsehbeeinträchtigung und Taubblindheit“ veranstaltete vom 16. September bis 18. September 2022 ein Seminar für Betroffene, Angehörige und Interessierte.
Am Freitag war Anreise. Um 13:30 Uhr trafen sich die Teilnehmer:innen zu einer Führung durch das Haus. Da aufgrund unserer unterschiedlichen Bedürfnisse in der Kommunikation die Gruppe zu groß war, wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. So konnten die Angestellten des Hauses uns die wichtigsten Räumlichkeiten wie den Speisesaal, die Seminarräume, die für uns reserviert waren und den Weg zu den Toiletten zeigen.
Um 14 Uhr wurden wir vom Organisationsteam begrüßt und gleich vorab organisatorisches geklärt. Nach der Vorstellungsrunde (Teilnehmer:innen und Assistenz bzw. Dolmetschung) ging es mit dem Programm los. Es wurde darauf hingewiesen, dass bei der Veranstaltung an diesen drei Tagen die Assistenz, Dolmetschung, Schriftdolmetschung und Begleitpersonen auch in den Pausen für eine barrierefreie Kommunikation zur Verfügung standen.
Bevor ich zu den Themen des Seminars komme, möchte ich erklären, dass für die Organisatoren ganz wichtig war, ALLEN Teilnehmer:innen einen BARRIEREFREIEN Zugang zu den Informationen zu ermöglichen. Folglich wurden Gebärdensprachdolmetscher:innen, Schriftdolmetscher und persönliche Assistenz gebeten, die Veranstaltung zu begleiten. Eine induktive Höranlage war vor Ort verlegt, sodass hochgradig hörbehinderte Personen akustisch barrierefrei den Vortragenden folgen konnten. Die Gesprächsdisziplin war sehr gut, da alle auf das Mikrofon warten mussten, bevor gesprochen werden durfte. Für stark sehbeeinträchtige Personen wurden mehrere Monitore aufgestellt, damit sie in ihrer benötigten Schriftgröße mitlesen konnten. In den Pausen wurde ein Austausch zwischen gehörlosen, hörenden, stark sehbeeinträchtigten und blinden Menschen ermöglicht, wodurch ein gutes Kennenlernen untereinander stattfinden konnte.
Am ersten Tag fanden parallel drei Workshops statt.
Die erste Gruppe mit dem Thema „Aufarbeitung der Erlebnisse aus Covid-Zeiten, Erfahrungsaustausch, Resümee, Lehren, Erkenntnisse“ wurde von Gerald Schiller und Robert Öllinger geleitet. Hier hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, über ihre Erfahrungen während der Pandemie, ihre Ängste, die Kommunikationsschwierigkeiten, die durch das Masken tragen entstanden sind, zu reden und auch gemeinsam bessere Lösungen zu erarbeiten.
Die zweite Gruppe „Erfahrungsberichte zum Thema persönliche Assistenz aus unterschiedlichen Bundesländern“, wurde von Anita Schachinger und Jutta Schneeberger geleitet. Behandelt wurden die unterschiedlichen Vorgehensweisen in den Bundesländern, sowohl bei Antragsstellung für persönliche Assistenz als auch bei der Vergabe der Plätze. Interessant war, dass jedes Bundesland anders agiert und auch die Qualität der Assistenz sehr stark schwankt. Gegen Ende der Runde kamen auch Fragen zum Thema Pflegegeld auf. Dieses wichtige Thema wurde in einer eigenen Diskussionsrunde nach dem Abendessen behandelt.
In der dritten Gruppe konnten sich Angehörige (Eltern, Partner, Geschwister, etc.) über ihre Erfahrungen mit Betroffenen, über ihre Ängste und Sorgen austauschen.
Nach dem Abendessen fanden sich fast alle Teilnehmer:innen zum Thema Pflegegeld ein. Allein daran konnte man erkennen, wie wichtig dieses Thema ist. Das Gespräch ergab, dass die Pflegegeldstufe-Erhebung sich ausschließlich auf die Augen bezieht und die Schwerhörigkeit bzw. Taubheit fast keine Berücksichtigung findet. Die Belastung, die durch die doppelte Sinnesbehinderung entsteht, wird dadurch nicht erfasst.

Am Samstag konnten noch vor dem Frühstück einige Teilnehmer:innen beim Yoga mit Ilka Fichtner mitmachen. Frau Fichtner ist selbst Usher-Syndrom Betroffene, weshalb sie auf die unterschiedlichen Bedürfnisse aus eigener Erfahrung eingehen konnte.
Nach dem Frühstück startete OA Priv.-Doz. Dr. med. Rupert Strauß mit seinem Vortrag „Aktuelle Therapieansätze bei retinalen Dystrophien“. Er begann mit der Erklärung zum Aufbau des Auges. Verschiedene Studien belegten, dass je nach Stärke der Sehbeeinträchtigung unterschiedlicher psychischer bzw. seelischer Druck auf die Patienten ausgeübt wird. Weiters erklärte er in einfachen Worten die Vererbung des Usher-Syndroms. Dr. Strauß konnte das anhand von Studien in den USA erklären und daraus resultierende Gentherapie-Methoden erläutern. Er erklärte verschiedene Therapiemöglichkeiten, unter anderem auch die Stammzellentherapie. Der Vortragende berichtete, dass er an einer Forschung teilgenommen hat und nun daran arbeitet, eine Zulassung für eine Studie an Menschen in Graz zu erhalten. Diese Studie soll vier Jahre dauern. Über Kriterien bzw. Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, wird Dr. Strauß zu gegebener Zeit berichten. Das Interesse der Teilnehmer:innen war groß.

Dolmetschung nehmen sitzend/stehend an Tischen daran teil.
Nach dem Mittagessen waren Aktivitäten im Freien geplant. Aufgrund des Schlechtwetters mussten sie in die Räumlichkeiten des Hotels verlegt werden. Man konnte wieder bei Yoga mitmachen. Alternativ konnten bei einem Kennenlernspiel Teilnehmer:innen paarweise aus einem Fragenkatalog gegenseitige Fragen beantworten. Der restliche Nachmittag diente der Erholung und dem Austausch.
Am Sonntag wurden drei Gruppen gebildet, die im Rahmen einer sogenannten „Zukunftswerkstatt“ zu folgenden Themen diskutierten: Politik, Verein und Seminar 2024. In der Gruppe „Politik“ wurde vor allem besprochen, wie man unsere Forderungen (zu Themen wie persönliche Assistenz, Pflegegeld, etc.) auf politischer Ebene besser vertreten könnte. In den beiden anderen Gruppen wurden die Tätigkeit des Forums Usher Taubblind Österreich sowie die bisherigen Erfahrungen aus dem Forum-Seminar analysiert und Verbesserungsvorschläge für die Zukunft erarbeitet. Die Gruppen durften nach der Diskussion ihre Ergebnisse präsentieren. Dr. Johannes Fellinger besuchte an diesem Tag die Versammlung und kommentierte die Präsentationen.

Für mich war es schön zu erleben, wie nach nur drei Tagen mithilfe unterschiedlicher Kommunikationsformen aus Fremden eine Gemeinschaft erwachsen konnte.
Jutta Schneeberger, Oktober 2022
Auswirkungen der Maskenpflicht für Menschen mit Hörsehbehinderung
Ich möchte gerne einen Einblick in meinen Alltag über die Corona-Maßnahmen und deren gesellschaftliche Entwicklung letztes Jahr bis heute geben. Wie wir alle wissen, ist es im Rahmen der Corona-Maßnahmen wichtig den Abstand einzuhalten, einen Mund-Nasenschutz zu tragen, keinen Körperkontakt zu halten und Hände zu desinfizieren. Vor allem die Verordnung zum Tragen eines Mund-Nasenschutzes stellt ein enormes Hinderniss für mich dar, weil dadurch keine akustische oder nonverbale Kommunikation möglich ist. Die meisten Menschen mit Hörsehbehinderung haben, so wie ich, noch ein Rest-Hörvermögen oder Rest-Sehvermögen – die noch verfügbaren Sinne werden noch so lang wie möglich genutzt. Ich bin im Alltag in der Kommunikation auf das Lippen lesen, auf die Mimik/Gestik und auf Gebärden/lormen angewiesen. Wenn ich mit Assistenz unterwegs bin, tragen wir beide meistens keinen Mund-Nasenschutz, da wir ständig miteinander kommunizieren – eben auch bei der Bewältigung des Weges.
In der Covid-19-Notmaßnahmenverordnung §15 (3) sind Menschen mit Hörbehinderung und Gehörlosigkeit und deren Gegenüber in der Kommunikation vom Tragen eines Mund-Nasenschutzes ausgenommen. Es gibt bis heute leider keine explizite Eintragung zur Ausnahmeregelung für Menschen mit Hörsehbeeinträchtigung und Taubblindheit.
Im Frühjahr 2020 habe ich bei meinen alltäglichen Erledigungen mein Gegenüber in der Kommunikation darum gebeten den Mund-Nasenschutz runterzugeben, damit ich sie verstehe. Viele Menschen haben das ohne Probleme anstandslos gemacht, damit war eine Bewältigung des Alltags gut möglich. Doch dann kam der Herbst 2020. Die Bereitschaft der Bevölkerung den Mund-Nasenschutz während der Kommunikation runterzugeben war schlagartig nicht mehr gegeben. Zu diesem Zeitpunkt kam dann zwar die Covid-19-Ausnahmeregelung für Menschen mit Hörbehinderung raus, jedoch änderte sich nichts am zwischenmenschlichen Umgang. Ich und meine Assistenz werden seitdem indirekt und direkt diskriminiert. Wir werden aus Geschäften und Dienstleistungseinrichtungen verwiesen, fotografiert und aggressiv beschimpft. Es treten bei fast jedem Besuch anderer Örtlichkeiten Schwierigkeiten auf, in der ich und meine Assistenz über die Ausnahmeregelung informieren und diskutieren. Das ständige Erklären ist anstrengend, weil die Menschen mich nicht ernst nehmen. Auch abwertende Blicke tragen dazu bei, dass ich mich wie eine Gesetzesverbrecherin und Virus-Massenmörderin stigmatisiert fühle. Die Menschen glauben, dass ich und meine Assistenz Maskenverweiger:innen sind und dass sie sterben, wenn wir keine Masken tragen!
Letztens wurde mir an der Universitätsbibliothek erklärt, dass die Covid-19- Notmaßnahmenverordnung und auch mein ärztliches Attest keine Gültigkeit für die Universität Innsbruck hat, da die Universität autonom sei. Nur ein ärztliches Attest von der internen Betriebsärztin habe Geltung. Diese wiederum stellt mir aber kein Attest mit der Ausnahmeregelung in der Kommunikation aus, weshalb ich bis heute das Universitäts-Gebäude nicht betreten darf.
Die Angst vor Menschen ohne Mund-Nasenschutz ist dermaßen groß, dass manche nicht mehr auf ihren Hausverstand hören, auch die Notwendigkeit miteinander kommunizieren zu müssen, scheint nicht mehr gegeben zu sein. Bürokratische Hürden und Unsicherheiten in der Gesellschaft sind massiv gestiegen.
Als hörsehbehinderte Person bin ich bereits gefährdet in Isolation zu rutschen. Die Corona-Maßnahmen, die gesellschaftlichen Ängste und die politischen Spannungen zur Maskenverweigerung haben mich nun endgültig in die Isolation befördert. Die einzigen Kontakte, welche ich zur Außenwelt derzeit habe, bestehen aus Diskriminierungen, diese wiederum schaden meiner Psyche. Lediglich in meinen vier Wänden ist ein Kontakt zu meine:n Assistent:innen, zu engen Freund:innen und meiner Katze möglich. Die Zahl der psychischen Erkrankungen, Ängste und Suizidraten sind enorm gestiegen.
Ich hoffe sehr, dass in der Politik und in den Medien/Öffentlichkeit der Kommunikation mit Mimik/Gestik und dem wertschätzenden zwischenmenschlichen Umgang mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Schließlich passiert 90% der Kommunikation über Gesichtsausdruck, Tonlage, Emotion und Gestik/Körperkontakt. Auch die Unwissenheit über die Bedürfnisse der Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit sollte durch Aufklärungen beseitigt werden. Denn Menschen mit Hörsehbehinderung sind keine Maskenverweiger:innen sondern Menschen, die einfach nur kommunizieren wollen.
Lydia Kremslehner, Mai 2021
Ausnahmeregelung für Hörbehinderte in Covid-Verordnung!
Am 27.11.2020 wurde vom Bundesministerium eine Änderung der COVID-19-Notmaßnahmen-Verordnung vorgenommen. Diese berücksichtigt unter Anderem nun auch die Bedürfnisse von hörbehinderten und gehörlosen Menschen. Gehörlose und hörbehinderte Menschen sind bei der Kommunikation auf die Mimik und das Mundbild angewiesen. Deswegen gibt es jetzt eine Ausnahmeregelung: Menschen mit Hörbehinderung/Gehörlosigkeit und deren Kommunikationspartner:innen dürfen den Mund-Nasen-Schutz während der Kommunikation abnehmen. Damit ein Verstehen in der Kommunikation möglich ist! Das ist vor allem für jene Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit relevant, welche noch das Gesicht/Lippen ausreichend erkennen können. Diese Ausnahme-Regelung kann auf BIZEPS nachgelesen werden:
Gewohnheiten im Umgang mit hörsehbehinderten / taubblinden Menschen
Es ist unmöglich alle alltäglichen Situationen zu beschreiben an denen ich mit meinen derzeitigen Möglichkeiten anstehe bzw. frustriert bin, jedoch möchte ich ein paar Beispiele aus meinen Alltag aufzählen, um einen kleinen Einblick für Außenstehende zu gewähren. Das Thema was ich aufgreifen möchte, sind die unterschiedlichen körperlichen Gewohnheiten die Menschen haben, welche in Sekundenbruchteilen ablaufen können.
So kommt es oftmals vor, dass fremde Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie mich mit dem Blindenstock sehen und mir helfen wollen, stets sagen: „Hier/Da können Sie sich hinsetzten!“ Diese Leute wissen, dass ich eine Sehbehinderung habe und wollen mir wohlwollend helfen. Dennoch nehmen sie in den meisten Fällen keinen Körperkontakt zu mir auf. Und falls schon, dann wollen sie mich irgendwo hinschieben/drücken, anstatt vorauszugehen oder zu führen. Für den Fall, wenn ich diese Aussage akustisch überhaupt verstehe, kommt meinerseits diese Antwort bzw. Frage: „Wo ist da?“ Wenn dann die Menschen den Arm ausstrecken und hinzeigen und dies nochmals mit einem „Da!“ untermauern, dann haben sie nur aus ihrer Gewohnheit heraus gehandelt. Sie haben nicht wirklich begriffen, was es bedeutet eine Sehbeeinträchtigung/Blindheit zu haben.

Das ist das internationale Taubblinden-Zeichen. Das ist blau und zeigt in weiß ein durchgestrichenes Ohr und eine Figur mit Langstock. Desweiteren steht über den Symbolen in weißer Schrift in deutsch „Taubblind“ und darunter in englisch „deaf-blind“.
Zu meinem Bedauern passieren solche Gewohnheiten leider bei fast allen Menschen, welche visuell sehen können. Dazu zählen leider auch die Persönliche Assistent:innen, Persönliche Assistent:innen am Arbeitsplatz und auch die Betreuung vom mobilen Hilfsdiensten. Vor allem jenen Assistent:innen passieren solche Gewohnheiten immer wieder, obwohl viele mich schon seit vielen, vielen Jahren kennen und betreuen.
Als weiteres Beispiel möchte ich Aspekte im Sozialen Miteinander aufgreifen. So passiert es oft, dass Menschen, welche mit mir kommunizieren, mich nicht anschauen oder auch nicht in meine Richtung sprechen. Sie sprechen mit mir und drehen aber das Gesicht weg, drehen sich um oder gehen in einen anderen Raum. Die Menschen kennen mich und wissen, dass ich schwerhörig bin und auf die Kommunikation in der Nähe mit direktem Gesicht-kontakt angewiesen bin. Aber dennoch tun sie das immer wieder und reden zum Beispiel mit der Wand, mit der Tasche, mit den Unterlagen usw. Sie sprechen aus Gewohnheit einfach in den Raum hinein und glauben, dass alle Menschen das akustisch dennoch verstehen können, wenn sie sich vom: von der Gesprächspartner:in abwenden. Wenig nachvollziehbar ist diese Gewohnheit, wenn das Menschen tun, die mich schon viele, viele Jahre kennen. Wie etwa Assistent:innen, Dolmetscher:innen und auch Angehörige, wie etwa Eltern, Geschwister, Freunde und Partner. Damit muss ich immer wieder erklären, dass ich in einer solchen Situation das Gegenüber nicht verstehen kann, wenn diese sich wegdreht und weiterspricht. Auch Schriftdolmetscher:innen geraten in diese Gewohnheit; sie sprechen nicht deutlich oder zu leise, rufen mir von weitem zu oder wollen mit mir reden, währenddessen sie sich abwenden.
Diese beiden Beispiele zum Thema Gewohnheiten stellen widersprüchliches Verhalten vom Körper dar. Zum Einem, da der Körper beim Sprechen nicht präsent ist und sie körperlich sich von mir entfernen und aber dennoch weitersprechen wollen. Und zum Zweiten, wird nicht der ganze Körper als Hilfe angeboten, sondern die Augen, wenn auf etwas hingezeigt oder hingewiesen wird. Der ganze Körper ist beim Geschehen bzw. Tun nicht mit dabei.
Solche alltägliche Gewohnheiten können kränken. Das habe ich auch durch die Taubblinden-Beratung und durch andere Betroffene erfahren. Solche Gewohnheiten, wenn sie von vermeintlichen Fachpersonen oder langjährigen Personen kommen, können eine körperliche Ignoranz darstellen. Als betroffene Person fühlt es sich an, als würde das Gegenüber die Arbeit und damit meine Bedürfnisse nicht ernst nehmen. Wertvolle und damit wichtige Informationen, welche ich von meiner Seite im Alltag immer wieder anrege, werden vom Gegenüber nicht umgesetzt. Deren körperliche Gewohnheiten werden nicht adaptiert, sondern wiederholen und zementieren sich in Form von gewohnten ausschließlich „visueller und akustischer“ Umgangsweisen. Der körperlich-fühlende Sinn wird außer Acht gelassen. Aber bei Menschen mit Hörsehbeeinträchtigung/Taubblindheit ist die taktile/haptische Ebene zentral, da vieles über Berührungen abläuft bzw. der Körper als Kommunikationsmedium begriffen wird. Damit reicht es nicht, wenn Angehörige oder Fachpersonen Dinge mit nur einem Sinn ausführen, sondern die Menschen müssen voll und ganz mit dem ganzen Körper bei der Sache präsent bleiben. Und sie dürfen körperlichen Kontakt in Begegnung mit taubblinden Personen nicht scheuen.
Lydia Kremslehner, Usher-Syndrom, November 2020
Braille-Kurs auf Distanz – geht das?
Ich lernte Susanne Buchner-Sabathy bei einer Veranstaltung im Herbst 2019 kennen. Wir saßen nebeneinander und kamen in der Pause ins Gespräch. Da ich Interesse an Braille-Schrift zeigte, erwähnte sie, dass sie ab Jänner / Februar einen Braille-Kurs für Anfänger plant. Also tauschten wir die Kontaktdaten aus.
Tatsächlich kam der Kurs ab Februar 2020 zustande. Ich lernte nette Leute kennen. Wir starteten mit den Selbstlauten und einige wenige Konsonanten. Wichtig war, täglich fünf Minuten zu üben, damit die Nervenenden in den Fingerspitzen sich entwickeln können. Jede Woche kamen neue Buchstaben dazu. Nach der sechsten Stunde das Aus: Corona hatte zugeschlagen. Die restlichen geplanten Stunden wurden storniert. Mit der Zeit wurde uns klar, dass der Präsenzunterricht wie bisher noch länger nicht stattfinden können wird. Susanne rief mich eines Tages an und fragte, ob ich bereit wäre, auch über das Telefon in Konferenzschaltung mitzumachen.
Braille – Kurs am Telefon? Aufgrund meiner lebenslangen Erfahrung als Schwerhörige ist für mich Telefonieren so ziemlich das Letzte, was ich gerne mache. Dann auch noch telefonisch lernen? Werde ich sie auch verstehen? Und gleich alle Teilnehmer:innen auf einmal? Schließlich waren wir ja insgesamt sieben Schüler:innen und zwei Lehrerinnen.

Jutta Schneeberger sitzt mit blauer Jacke am Tisch in der Holzstube. Sie liest Braille-Schrift. Mit der rechten Hand (Fingerspitze) wird gelesen und die linke Hand folgt der Zeile.
Diese Bedenken äußerte ich auch. Zum Glück habe ich zu meinem Hörsystem ein Zubehör, mit dem ich gut telefonieren kann. Dieses Zubehör wird an meine Jacke oder Bluse gesteckt und per Bluetooth mit meinem Hörsystem verbunden. So habe ich beide Hände frei. Also fragte ich, ob wir nicht vorher noch eine Konferenzschaltung zumindest zu dritt vereinbaren können, damit ich einmal erste Erfahrungen machen und probieren kann, wie gut ich verstehe. Es klappte und ich sagte zu. In diesem Kurs nahm auch ein weiteres Mitglied des Forums Usher Taubblind teil. So wurden wir zwei mit Susanne zu einem Kleinkurs zusammengefasst. Vier weitere Teilnehmer:innen des Präsenzkurses wurden in eine eigene Telefongruppe zusammengefasst und von Margarete betreut. Schließlich konnten wir im Oktober die restlichen vier noch fehlenden Stunden nachholen.
Es war für mich ein neues Erlebnis, mit mehreren Teilnehmerinnen gleichzeitig ein Gespräch zu führen. Bisher kannte ich das nur über die Fernsprecheinrichtung, und da konnte ich oft nicht gut verstehen. Grundsätzlich lief der Braille-Kurs auf Distanz sehr gut. Manchmal wurde eine Gesprächspartnerin leiser. Das meldete ich aber sofort und das Mikrofon wurde neu ausgerichtet. Wir konnten in den letzten Stunden die restlichen Buchstaben des Alphabets lernen. Es war sehr nett, aber doch auch sehr anstrengend. Schließlich musste ich mich auf das Gespräch UND auf die Braille-Schrift konzentrieren. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht – nur telefonieren wollte ich an diesen Tagen nach der Kurseinheit nicht mehr. 😊
Jetzt heißt es, weiter üben und dran bleiben. Ehrlich gesagt, so kurz vor Weihnachten habe ich leider deutlich nachgelassen. Aber ich habe mir fest vorgenommen, nach den Feiertagen weiter zu machen.
Ein Dankeschön an Susanne, die den Kurs mit Margarete sehr gut organisiert hat und auch in der Kleingruppe sofort reagiert hat, sobald kleine Probleme auftauchten, die lösbar waren.
Jutta Schneeberger, Usher-Syndrom, Dezember 2020
Erstes Gruppentreffen Usher-Taubblind in Wien, Februar 2020
Nach einer langen Pause fand am 11.2.2020 in Wien wieder ein Gruppentreffen für Usher, Taubblinde und Hör-Sehbeeinträchtigte Personen unter der Leitung von Jutta Schneeberger statt. Das Treffen wurde in den Räumlichkeiten der ÖHTB-Beratungsstelle im 6. Bezirk organisiert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft!
Ziele des ersten Treffens waren: Kennenlernen, Informationen, Wünsche und Ideen sammeln und Austausch.
Es kamen sieben Teilnehmer_innen aus den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Steiermark und Oberösterreich, worüber sich die Organisatoren sehr freuten.
Im regen Gespräch wurden verschiedene Themen erörtert, besonders die Diskussionen um ein Internetforum für ein Austausch unter Betroffenen, Benutzung des Langstockes und Fragen zum Behindertenpass waren Gegenstand dieser Runde. Es wurde beschlossen, regelmäßiges Treffen drei Mal im Jahr zu organisieren. Die nächste Runde findet im Juni statt. Nähere Informationen folgen, soviel wird schon verraten: das Thema ist „Der Langstock“.
Außerdem hat sich Sebastian Leitner freundlicherweise bereit erklärt, ab sofort bei der Organisation und Betreuung für Gruppentreffen mitzuhelfen und zu gestalten. Danke lieber Sebastian!
Das Feedback war durchwegs positiv. Einzige Anmerkung – die Zeit für persönliche Gespräche waren zu kurz. Auch das wird in Zukunft berücksichtigt.
Ich persönlich bedanke mich bei jedem Einzelnen für die Ideen, Vorschläge und Meldungen. Sie waren hilfreich für mich und ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen!
Jutta Schneeberger, März 2020




