Erstes Gruppentreffen Usher-Taubblind in Wien, Februar 2020

 

Nach einer langen Pause fand am 11.2.2020 in Wien wieder ein Gruppentreffen für Usher, Taubblinde und Hör-Sehbeeinträchtigte Personen unter der Leitung von Jutta Schneeberger statt. Das Treffen wurde in den Räumlichkeiten der ÖHTB-Beratungsstelle im 6. Bezirk organisiert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft!

Ziele des ersten Treffens waren: Kennenlernen, Informationen, Wünsche und Ideen sammeln und Austausch.

Es kamen sieben Teilnehmer_innen aus den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Steiermark und Oberösterreich, worüber sich die Organisatoren sehr freuten.

Im regen Gespräch wurden verschiedene Themen erörtert, besonders die Diskussionen um ein Internetforum für ein Austausch unter Betroffenen, Benutzung des Langstockes und Fragen zum Behindertenpass waren Gegenstand dieser Runde. Es wurde beschlossen, regelmäßiges Treffen drei Mal im Jahr zu organisieren. Die nächste Runde findet im Juni statt. Nähere Informationen folgen, soviel wird schon verraten: das Thema ist „Der Langstock“.

Außerdem hat sich Sebastian Leitner freundlicherweise bereit erklärt, ab sofort bei der Organisation und Betreuung für Gruppentreffen mitzuhelfen und zu gestalten. Danke lieber Sebastian!

Das Feedback war durchwegs positiv. Einzige Anmerkung – die Zeit für persönliche Gespräche waren zu kurz. Auch das wird in Zukunft berücksichtigt.

Ich persönlich bedanke mich bei jedem Einzelnen für die Ideen, Vorschläge und Meldungen. Sie waren hilfreich für mich und ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen!

 

Jutta Schneeberger, März 2020



Kletterausflug in Linz 2020

 

Am 25. Jänner des neuen Jahres ging es für einige Mitglieder des Forums wieder an die Kletterwand. Bei der mittlerweile zum dritten Mal stattfindenden Kletterei zum Jahresanfang konnten wir in einer kleinen, aber feinen Runde die Kletterhalle Auwiesen in Linz unsicher machen!

Nach einer gemeinsamen Anreise vom Bahnhof Linz per Auto mit unserer lieben Dolmetscherin Magda (vielen Dank!) begannen wir den Tag mit ein paar Aufwärmübungen.  Einige von uns schielten dabei bereits auf das Mittagessen. Dieses mussten wir uns jedoch noch verdienen, weshalb wir nach ein paar Boulder-Runden die Kletterwand in Angriff nahmen. Nachdem auch das Sichern schnell (wieder) erlernt war, konnte jeder von uns nach Lust und Laune ein paar Routen klettern, bis es dann in die Pizzeria ging – die sich praktischerweise direkt bei der Kletterhalle befindet. Nach einem etwas länger als geplanten, aber sehr angenehmen Austausch und mit etwas mehr Gewicht, begaben wir uns wieder zurück in die Kletterhalle, wo wir uns nochmal richtig auspowerten. Im Hinblick auf die motivierte Kletterei konnte man auch bei dem einen oder anderen Fehlgriff (falsche Farbe!) das Auge zudrücken; schließlich stand der Spaß und das Miteinander im Vordergrund.

Danach ging es wieder zurück zum Bahnhof, wobei sich jedoch einige Mitglieder noch in Linz zum gemütlichen Kaffee zusammensetzten. Auch wenn es nur eine kleine Runde war, hat die Kletterei viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf die Fortsetzung im nächsten Jahr, vielleicht wieder mit neuen Gesichtern!

 

Anonym, Februar 2020



Hallo all meine lieben, treuen, freundlichen, hilfsbereiten, ehrlichen, unterstützenden, großen, dicken, engen, liebevollen, tollen Superheld*innen und Freunde!

 

Ich, Nina Moosbrucker, habe mich sehr gefreut, dass ich Dank Lydia Kremslehner und ihren Superhelden Alex, an ihrer rechten Hand, zu eurer super tollen, coolen, warmherzigen, liebevollen, freundschaftlichen Einladung zu eurer wunderschönen, geschmückten, ideenreichen Nikolo-Feier kommen durfte.

 

Gruppenfoto mit Betroffene, Angehörige, Nikolo, Dolmetscher*innen, Assistent*innen, Vorstandsteam und Organisationsteam

Diese traditionsreiche, tolle Nikolo-Feier war für mich etwas Besonderes und Spezielles. Es war eine eigene sympathische, nette, schöne, freundschaftliche liebevolle, liebste, treueste, super, coole Nikolo-Feier. Die besondere, sinnliche Aufnahme zu dieser Selbsthilfegruppe war so beeindruckend. Ich wusste nicht, wie mir geschah, ich hab mich sofort wohlgefühlt bei euch. Es war besonders für mich zu erleben, wie zum Beispiel das super funktionierende-zusammen-sitzen am Tisch. Das nahm jede*r von euch so selbstverständlich. Es war schön zu sehen, wir ihr euch zusammengesetzt habt und wie ihr so toll miteinander kommuniziert habt. Die Gruppe war untereinander so lieb und hat sich freundschaftlich unterstützt. Ich habe erlebt, wir ihr miteinander umgeht und euch so toll untereinander versteht: jede*r hilft sich gegenseitig, indem ihr nach Erfahrungen und Lösungen für Probleme miteinander sucht und gegenseitig gebt.

Rotes Nikolo-Sackerl

Und das tolle war ja auch das wahrhaftige, leckere Essen mit all den guten Leckereien. Es war ein Genuss etwas miteinander zu Essen und zu sehen, wie es jeder Person geschmeckt hat; insbesonders der leckere, zauberhafte Nachtisch. Danach kam der Nikolaus mit seinem großen Stab und seinem heiligen Buch. Er brachte uns liebevolle, gute Nikolo-Sackerln mit guten Dingen drin. Das Nette war einfach das gemütliche Zusammentreffen verschiedener Art: Blind, Gehörlos, Sprechend über Lautsprache, Gebärdensprache, Lormen, usw. Die ganze Kommunikation war einfach unglaublich nett und schön. Aber was man* dabei nicht vergessen darf, ich möchte mich Erstens bei den ganzen, vielen, verantwortlichen Betreuer*innen, Assistent*innen, Übersetzer*innen, Begleitungen auch natürlich dem Kassierer und bei der stellvertr. Vorsitzenden Anita bedanken. Vor Allem aber ist die Hauptverantwortliche nicht zu vergessen; der ganz besonderen, liebevollen, netten, freundlichen, unterstützenden, besten Organisatorin und Leiterin.  Besonderer Dank gilt meiner allerbesten Begleitung Lydia und ihrem besonderen Superhelden, Alex, an ihrer rechten Seite. Beide waren an meiner rechten Seite immer für mich da. Sie haben für mich in Kauf genommen, mich in der 1. Klasse im Zug zu begleiten. Sie haben für mich den Zug, die Sitzreservierung und die Mobilitätshilfe (Ein- und Ausstiegshilfe) organisiert. Und der superstarke Alex hat mich mit dem Rollstuhl überall hingebracht. Dafür noch einmal ein ganz recht, herzlichen Dank.

 

Ein dekorativ, geschmückter Christbaum

Ich möchte mich wirklich bei jeder* und jedem* Einzelnen von euch bedanken für die super tolle Aufnahme in dieser Gruppe. Ich möchte euch noch ganz kurz schildern, was ihr alle für mich bedeutet. Ihr seid eine tolle, große Gruppe; ich habe mich so wohlgefühlt bei Euch allen. Ich habe so tolle Erfahrungen, Freunde, Eindrücke und Bewundernswertes erlebt. Auch die verschiedenen Arten von Behinderungen, das Zusammenleben, das tolle Untereinander, das Umgehen verschiedener Fälle wie Blind, Schwerhörig, Gehörlos, Sehbehindert usw., die Kommunikation und das Verständigen untereinander. Es war eine liebe volle Art, wie man* mit all den jeweiligen Personen umgeht. Der Umgang mit den Problematiken, wie man* Lösungen findet und Probleme beseitigt und sich gegeneinander Hilfe gibt. Das Alles waren für mich unglaubliche große, tolle Einblicke und Erfahrungen. Hilfestellungen und Freundschaften bedeuten mir sehr viel. Ich bin euch zu großem Dank verpflichtet. Ich bin froh, dass ich jede*n Einzelne*n von euch kennen lernen durfte und freue mich schon riesig auf ein tolles Wiedersehen! Ich hab euch alle ganz fest in meinem Herzen eingeschlossen.

 

Bis bald mit ganz lieben, freundlichen Grüßen eure Nina

Nina Moosbrucker, Dezember 2019

 

Rückmeldungen von weiteren Teilnehmer*innen:

 

Ausblick über die Stadt Salzburg auf die Festung Hohensalzburg

„Am 30.11.2019 trafen wir uns zur Jahresabschlussfeier und verbrachten einen schönen Nachmittag hoch über den Dächern Salzburgs! Ein großes Danke gilt insbesondere unseren Taubblindendolmetscher*innen, die einfühlsam die Gespräche gedolmetscht und ein bereicherndes Miteinander für alle ermöglicht haben. Sogar der Nikolo war zu Besuch und überraschte uns mit seinen Gebärdensprach- und Lormkenntnissen ….. Danke für das schöne Fest!“

 

„Die Feier war wirklich schön, danke für die Organisation! Lydia, super gemacht und tolle Location! (Lächeln-Smiley)“

 

„Gruppenfoto: Als das wegen Datenschutz gesagt war – hatte nur den Vorstand zum Foto mit Nikolaus gebeten – strömten ALLE zum Gruppenfoto. Nikolaus hatte das Gruppenfoto laut vorgeschlagen und ich sagte darauf das mit dem Datenschutz wegen Veröffentlichung auf Facebook. Das wurde dann ersucht zu Dolmetschen usw. Zack – stand ich nimmer alleine neben dem Nikolaus. (Herz-Symbol) Es war wirklich ein wunderschöner gelungener Nachmittag. …

Nikolo lormt Anita Schachinger in die Hand.

Mir tut nur seit gestern Abend immer noch alles weh – Nacken und Kopf. Es war aber soooo schön und die Freude machen das wieder wett. Ich habe einfach stets nach meinem Herzen und Bauchgefühl gehandelt, weil anders konnte ich nicht (bin kein Profi bzw. hab keine Erfahrung mit sowas). Das was ich als Antwort spürte gibt mir recht und ich bereue nix.
Allen nochmals Danke für Eure Unterstützung! (Herz-Symbol)
An Julia musste ich gestern so oft denken! Mir hats so leid getan, dass du diese tolle Atmosphäre und den Erfolg nicht miterleben konntest.“

 

 



Forum Usher-Taubblind Österreich vom 27.09. bis 29.09.2019:

Bericht über den Angehörigen-Workshop

 

Wir Angehörigen, beim Seminar in Wien, waren eine kleine Gruppe und es war aus unserer Sicht sehr hilfreich, dass Markus (Bräuer) diese Runde mit großer Umsicht und viel persönlicher Erfahrung moderierte. So konnte jede*r von uns sein*ihr persönliches Schneckenhaus verlassen und offen über seine*ihre Sorgen und Anliegen sprechen. In seiner Rolle als Psychotherapeut hat er auch bewusst gemacht, was oft im Unterbewusstsein schlummert. Er hat uns ebenso klar gemacht, dass wir uns nicht von der Alltagssituation erdrücken lassen sollen und nicht selber vergessen dürfen. Das ist eine der Botschaften, die ich mitgenommen habe: ich muss mir auch für mich selbst Zeit nehmen. Nur so kann ich wieder Kraft schöpfen. Dies bringt die Energie zurück, die ich brauche, um für andere da zu sein.

 

Ich kann hier ja nur aus meiner Sicht berichten, und ich hoffe, dass allen anderen diese Gesprächsrunde ebenso gut getan hat. Da wir als Familie erst seit kurzem mit der Diagnose Usher-TB konfrontiert sind, haben wir an diesem Wochenende viele neue Einblicke gewonnen. Wichtig war uns auch zu erfahren, wie andere Betroffene die Situation meistern. Großes Lob möchten wir auch den Organisator*innen  und Assistent*innen aussprechen, die Tolles geleistet haben. Unsere Anerkennung gilt natürlich auch den Dolmetscher*innen, die mit unglaublichem Einsatz Hilfe leisteten. Sie schafften es mit viel persönlichem Engagement, dass alle Betroffenen soviel wie möglich an den Gesprächen teilhaben konnten.

 

Oktober 2019



Zu Silvester gab es ein ganz besonderes Treffen: hörsehbehinderte und taubblinde Menschen aus Frankreich, Belgien, Deutschland, Spanien, Holland und Österreich trafen sich in Innsbruck! Es fand ein interessanter Austausch hauptsächlich in internationaler Gebärdensprache und in taktiler Gebärdensprache statt.

 

 

Nach dem Treffen in den Räumlichkeiten der Selbsthilfe Tirol fuhren die ganz Abenteuerlustigen gemeinsam auf die Seegrube zum Bergsilvester, wo sie unter einem leuchtenden Feuerwerk das neue Jahr begrüßten!

 

 

Eine Teilnehmerin schrieb uns zur Veranstaltung: „We are POOOOWER without assistants and all DB united in one force! (Same quote in Star Wars)“. DB = Deafblind 😉

 

 

In deutscher Übersetzung: „Wir haben die Macht, ohne Assistenz and alle TB als eine Kraft vereint!“ (zitiert nach dem Film Star Wars). TB = taubblind 😉

 

Vielen Dank für euren tollen, energiegeladenen Besuch. Diese Power nehmen wir gerne für das Jahr 2019 mit!

 

Jänner 2019



Am ersten Dezember war ich bei der Weihnachtsfeier des Forums dabei. Nach einer lustigen Zugfahrt mit selbstgebackenen Keksen zur weihnachtlichen Einstimmung sind wir im schneeweißen Wien angekommen. Ein seltener Anblick! Gut gelaunt machten wir uns auf den Weg zur Location. Dort gab es viele verschiedene Sitzgelegenheiten, sodass sich jede_r einen guten Platz aussuchen konnte. Nach und nach trudelten Alle ein. Zum offiziellen Beginn wurden wir von Julia, der Vorsitzenden, mit einer kurzen Rede überrascht. Die zahlreichen Dolmetscher_innen wurden vorgestellt. Mit den Dolmetscher_innen, die eine Taubblinden-Zusatzausbildung absolviert hatten, konnten wir uns gleichberechtigt und barrierefrei untereinander unterhalten. Ein wirklich tolles Erlebnis. Nur selten kann ich mich mit anderen Betroffenen so barrierefrei unterhalten. So wurde geratscht, gebärdet und gelormt was das Zeug hält und natürlich auch unglaublich viel gelacht. Es waren altbekannte Gesichter und auch einige neue da. Es wurde mit Erstaunen festgestellt, wo der eine oder andere herkam. Aus fast ganz Österreich waren Betroffene und Angehörige anwesend.

Deshalb vielen Dank an diejenigen, die es möglich gemacht haben, dass wir ein paar tolle Stunden gemeinsam verbringen konnten. In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bis Bald!

von Michaela, Dezember 2018

 

Kurze Statements von weiteren Teilnehmer_innen:

 

„Danke für die Einladung. Mir hat es sehr gut gefallen mit euch zusammen zu sitzen und zu quatschen.“

 

„Ich war sehr beeindruckt, von eurem Weihnachtstreffen, wie gut ihr das alles organisiert habt. Ich hatte mich bei euch sehr wohlgefühlt.“

 

„Dabei freue ich mich so, endlich andere Menschen zu treffen, die meine Schwierigkeiten verstehen.“

 



Persönliche Erfahrungen mit Hör-Sehbehinderung in der Partnerschaft

 

Mein Name ist Jutta Schneeberger und ich bin seit meiner Geburt schwerhörig. Während meiner Pubertät begann unbemerkt meine Seheinschränkung, bis schließlich die Diagnose „Usher-Syndrom“, ein Gen-Defekt, der eine Hör- / Sehbehinderung auslöst, gestellt wurde. Mittlerweile bin ich Mitte 40 und lebe mit meiner Behinderung meistens ohne Probleme.

Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen es Schwierigkeiten gibt: Im Straßenverkehr, in der Familie und auch in der Partnerschaft.

 

Woran das liegt? Aufgrund meiner mittlerweile an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit ist es mir nicht mehr möglich, Sprache rein akustisch klar zu verstehen. Mein Gehirn läuft auf Hochtouren und bastelt das Gehörte nach sinnvollen Sätzen zusammen. Ist die Raumakustik schlecht (z.B. hallig oder laute Geräusche), wird das noch viel schwieriger, weil die Sprachverständlichkeit noch mehr sinkt. Ich konzentriere mich noch stärker auf meinen Gesprächspartner, Gruppengespräche sind in diesen Situationen nicht mehr möglich. Außerdem sinkt mein Energielevel, je länger der Tag dauert. Folglich werde ich müde und die Konzentration lässt nach. Daher geschieht es oft, wenn die Familie abends beisammensitzt, dass ich einem Gespräch nicht mehr folgen kann. Meine Seheinschränkung wirkt sich so aus, dass ich das räumliche Sehen nicht mehr voll nutzen kann. Ich habe eine starke Gesichtsfeldeinschränkung, die man auch Tunnelblick nennt. Wenn ich beispielsweise alleine durch eine Bahnhofshalle gehen muss, bin ich sehr unsicher, schaue ständig nach links und rechts und übersehe Personen, die vor mir stehen oder gehen. Daher verwende ich in solchen Situationen immer einen Blindenstock, weil ich auf diese Weise signalisiere, dass ich seitlich gar nichts sehen kann. Auch das erfordert starke Konzentration und raubt mir Energie. Eine weitere große Problematik der Sehbehinderung ist die Nachtblindheit. Sobald es finster wird, sehe ich nichts mehr und alles flimmert.

 

Die Kombination beider Sinneseinschränkungen bedeutet für mich:

  • ständig aufpassen, was andere sprechen, damit ich verstehe, worum es geht;
  • ständig aufpassen, wohin ich gehe, ohne mich anzustoßen oder über etwas zu stolpern;
  • ständig aufpassen, wenn ich mit Werkzeug hantiere, ob jemand in der Nähe ist;
  • häufig nachfragen und nachschauen, weil mein Gehirn versucht, meine Behinderung zu kompensieren;
  • ständig nachkontrollieren, ob ich wirklich richtig gesehen habe (z.B.: Die Ampel ist grün, ich schau auf den Boden, wo die Stufe ist, kontrolliere, ob Ampel noch immer grün ist, wieder Blick zum Boden, damit ich nicht stolpere, den Schritt tun, Blick zur Ampel – jetzt ist es rot! Ich habe das Blinken nicht mitbekommen, weil ich genau dann zum Boden geschaut habe.)

 

Nun, was hat das mit Partnerschaft zu tun? Ich habe die bisherigen Situationen beschrieben, damit Sie leichter nachvollziehen können, was die Behinderung für mich bedeutet.

Eine Behinderung erfordert ständige Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Person, die behindert ist. Meine Behinderung ist für mich eine Herausforderung, ganz alltägliche Dinge wie oben beschrieben zu bewältigen. Für meinen Partner ist es auch eine Herausforderung. Er passt z.B. auf, dass ich nicht über die geöffnete Geschirrspülmaschine stolpere. Wenn man alleine ist, weiß man, was alles offen oder geschlossen ist. Sobald aber eine andere Person in der Wohnung ist, besteht die Gefahr, dass ich in offene Schränke laufe. Mein Partner muss also auch auf mich aufpassen, wenn ich quasi um die Ecke „schieße“, damit ich nicht über den offenen Geschirrspüler stolpere.

 

Wichtig ist auch zu erkennen, dass es gewisse Situationen gibt, in denen Sprache nicht verstanden werden kann. Sobald wir in unterschiedlichen Räumen sind, kann ich nicht verstehen, was mir mein Mann sagt, selbst wenn er noch so laut ruft. Ich komme dann zu ihm und frage nach, was er mir sagen will. Besser ist es, zuerst zum Partner hinzugehen und ihn anzusprechen. Erst wenn die Aufmerksamkeit da ist sagen, was man sagen möchte. Ich gebe zu, auch ich habe das Problem, dass ich im Schlafzimmer stehe und dort in den Kasten rede, während mein Mann (der übrigens hörend ist) in der Küche steht und das Wasser rauscht oder die Dunstabzugshaube läuft, mich NICHT versteht.

 

Manchmal hadere ich auch mit meiner Behinderung. Ich weiß, dass nicht alle alles machen können. Dennoch denke ich, dass so manche Alltagssituation einfacher wäre, wenn ich z.B. Auto fahren oder im Finsteren problemlos sehen könnte. Das verunsichert mich so sehr, dass ich dann lieber zu Hause bleibe. Fahre ich gewohnte Strecken (öffentlich), ist es weniger problematisch. Aber im finsteren in einer mir unbekannten Gegend nach einem Geschäftslokal suchen? Auch hier ist mein Mann derjenige, der mir hilft. Er fährt mit mir zu Terminen, begleitet mich in Geschäfte etc. Das erfordert wieder eine gute Organisation – denn jeder hat seinen Arbeitsplatz und jeder hat auch eigene Bedürfnisse, die abgedeckt werden sollten.

 

Mein Mann liebt es, Sätze in dialektalen Sprachen zu sprechen. Wenn ich frisch und ausgeruht bin, habe ich damit auch kein Problem – aber am Abend? DA bin ich müde, unkonzentriert und dann soll ich auch noch Dialekt verstehen? In solchen Situationen schalte ich meistens einfach ab oder ich bitte ihn, normal zu sprechen.

 

Es ist also nicht einfach „nur“ eine Behinderung – es hat weitreichende Auswirkungen, die jedoch lösbar sind. Man muss sich nur bewusstmachen, wo und was man tun kann, um trotzdem eine gelungene Partnerschaft führen zu können.

 

Ich danke meinem Mann und meinen Kindern für ihre Liebe. Es ist ein Geschenk und macht den Alltag leichter. Ich liebe euch alle!

 

von Jutta Schneeberger, Oktober 2018
Dieser Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift Sprachrohr 3/2017



Kongress Spanien – Bericht

 

Vom 19.06. bis 26.06.2018 fand die 5. Generalversammlung des WFDB (World federation of the Deafblind – Weltverband der Taubblinden) und die 11. Konferenz des Helen Keller National Centers (HKWC = Helen Keller World Conference) in Benidorm (Spanien) statt.

Die Veranstaltung war sehr informativ. Die Vorträge und Workshops wurden von internationalen taubblinden Personen gehalten, dabei war jeder Kontinent vertreten. Es gab eine große Bandbreite an Themen, welche durchwegs sehr interessant waren. Unter Anderem wurde der Verein der jugendlichen Taubblinden in Australien und der Verein FASOCIDE (Verein der Taubblinden in Spanien, welcher auch den Kongress organisiert hat) vorgestellt. Weiters wurde eine Statistik aus Japan vorgestellt, über die Erwerbstätigkeit der dort lebenden taubblinden Personen und die Entwicklung der Taubblindenbewegung in Deutschland während der letzten Jahrzehnte wurden erläutert. Ein taubblinder junger Mann aus Spanien erzählte von seinen Erfahrungen als Taubblinder mit dem Erasmus-Programm, mit dessen Hilfe er ein Semester seines Studiums in London absolvierte.

Nach jedem Vortrag gab es die Möglichkeit Fragen zu stellen und es entstand jedes Mal eine rege Diskussion.

Es war auch sehr beeindruckend, die vielen verschiedenen Kommunikations- und Dolmetsch- bzw. Assistenzformen zu sehen, mitzuerleben und teilweise sogar selbst involviert zu sein.

Während der größeren Vorträge wurden LSE (spanische Gebärdensprache), IS (internationale Gebärden), spanische Laut- und Schriftsprache, englische Laut- und Schriftsprache angeboten. Bei kleineren Workshops und Runden gab es neben englischer Lautsprache manchmal auch eine IS Dolmetschung, doch leider nicht immer. Viele taubblinde Personen nahmen sich aber ihre eigenen Dolmetscher_innen und/ oder Assistent_innen mit, da für sie das erwähnte Sprachangebot nicht ausreichend zugänglich war. Sie mussten sich ihre Dolmetscher_innen und Assistent_innen sowohl selbst organisieren als auch deren Finanzierung klären. Es gibt Länder welche 1-4 Dolmetscher_innen bzw. Assistent_innen pro taubblinde Person ohne Probleme finanzierten, andere machten eine Ausnahme und Übernahmen die Kosten von 1-2 Dolmetscher_innen. Manche taubblinde Personen hatten ein spezielles Abkommen mit ihren Dolmetscher_innen und Assistent_innen und wieder andere Assistent_innen arbeiteten unentgeltlich. Insgesamt dürften an dem Kongress ca. 500 Personen teilgenommen haben.

Dank der guten Einteilung des Programms war es auch möglich, sich mit vielen Teilnehmer_innen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und neue Freunde kennenzulernen.

Außerdem bekamen wir Gelegenheit, die Gegend und die Kultur der Einheimischen etwas kennenzulernen. Wir durften bei einem typisch traditionellem spanischen Fest „Hogueras de San Juan“ (Mittsommerfest) teilnehmen und bekamen am letzten Tag, der auch gleichzeitig der „internationale Tag der Taubblindheit“ war, Besuch von Ihrer Majestät, Königin Letizia von Spanien.

Der letzte Tag war auch zugleich der 50. Todestag von Helen Keller. Somit gab es an diesem Tag allen Grund zu feiern und die gesamte Veranstaltung wurde mit einem förmlichen Gala-Dinner bei lockerer Stimmung beendet. Es wurde bis spät in die Nacht gemeinsam getanzt und gelacht.

 

Magdalena Starzengruber, August 2018

 



Erster Bericht: Gemeinsamer Wanderausflug am Grünberg in Gmunden 2018

 

Am 28. Juli war es soweit. Der lang geplante Wanderausflug am Grünberg in Gmunden fand statt. Das Wetter war wunderschön und am Vormittag gegen 11 Uhr fanden sich die beteiligten 11 Personen bei der Talstation der Grünbergbahn der Reihe nach ein.

Wir sind mit der Seilbahn ganz entspannt auf der Bergstation angekommen. Dann haben wir uns auf den Weg Richtung Laudachsee gemacht. Der Weg war ideal, leicht geschottert und schön breit. Wir konnten auch nebeneinander gehen und reden. Immer wieder haben wir pausiert, die Sicht genossen, die Haut mit der Sonnencreme verwöhnt und sind unserem Ziel, der Ramsaualm am Laudachsee näher gekommen.

Nach ca. 1 Stunde war es geschafft. Perfekt organisiert ging es an unseren, bereits reservierten Tisch auf der Terrasse und wir wählten unsere Getränke und Speisen aus. Immer wieder hatten wir tolle Gesprächsthemen und auch Einiges zum Lachen war dabei.

Nach unserer ausgiebigen Rast traten wir den Rückweg auf gleichem Pfade an, wobei uns doch die heiße Temperatur zu schaffen machte. Die 2 Kids in unserer Gruppe waren besonders aufgeweckt und konnten es kaum noch erwarten im Wasser des Traunsees zu schwimmen.

Wieder im Tal angekommen, war der erste Weg sofort an den See. Es wurden die Schwimmsachen geholt, umgezogen und die Jüngsten waren schnell im kühlen Naß. Nachdem wir unsere verschiedenen Interessen und Möglichkeiten ausgelebt hatten nahmen wir Abschied von Gmunden und traten die individuelle Heimreise an.

Der Wanderausflug war ein schönes, tolles und gelungenes Erlebnis. Für diesen wundervollen Tag möchte ich an Alle ein herzliches Dankeschön ausrichten.

 

von Alexander Kofler, August 2018

 

Zweiter Bericht: Gemeinsamer Wanderausflug am Grünberg in Gmunden 2018

 

Aus beinahe ganz Österreich kamen die Wanderlustigen nach Gmunden. Bei herrlichem Sonnenschein ging es mit der Gondel auf den Grünberg, um dann die letzten Meter zur Almhütte am Laudacher See zu erklimmen. Trotz der Hitze (über 30 °) war die Motivation groß und wir haben jede freie Minute zum Austausch genutzt. An der Hütte angekommen gab es die wohlverdiente Stärkung und der Gesprächsstoff ging nicht aus. Es wurde so über manches philosophiert, aber auch herrlich viel gelacht, sogar die Jüngsten unter uns haben fleißig gelormt. Nachdem jeder wieder genug Power hatte, ging es hinunter in Richtung Gondel, (wobei der Rückweg uns irgendwie viel bergiger vorkam als der Hinweg) um danach in den erfrischenden Traunsee zu springen und die Eiswerkstatt zu besuchen. Es war ein wundervoller Wandertag der ohne euch alle nicht so schön gewesen wäre. Ich möchte mich bei Gerald bedanken der alles so super organisiert hat. Ich freue mich schon auf die nächsten Aktionen und Ausflüge!

 

von Michaela Joba, August 2018



Die Generalversammlung war sehr gut besucht. Der Vorstand bedankte sich bei allen aktiven Mitgliedern und Kooperationspartner_innen und berichtete über zahlreiche Errungenschaften und den aktuellen Stand. Besonders freuen wir uns über unser neues Vorstandsmitglied, Robert Öllinger, der das Forum als stellvertretender Vorsitzender unterstützt. Er stellte sich mit einem kurzen Video vor, hier erfahrt ihr mehr über Robert. Nach der Pause ging es ins Rahmenprogramm zum spannenden Vortrag über „Veränderungen im Leben mit Usher Syndrom und Taubblindheit“ von Lydia Kremslehner, welcher zahlreiche bleibende Eindrücke hinterließ. Es fand ein sehr reger Austausch unter den Mitgliedern statt, der neuen Mut entfachte. Bei herrlichem Frühlingswetter ließen wir den gelungenen Nachmittag gemeinsam im schönen Garten der Gehörlosenambulanz in Linz ausklingen. Vielen Dank an die Gehörlosenambulanz der Barmherzigen Brüder in Linz für die Unterstützung der Veranstaltung durch Raum, Technik, Speis und Trank!

Spenden: IBAN: AT81 1200 0100 1826 9877, BIC: BKAUATWW, UniCredit Bank Austria