Erfahrungsberichte:

Kundgebung zur Verbesserung der Lebenssituation von taubblinden und hörsehbeeinträchtigten Menschen sowie zur Anerkennung und Finanzierung von Taubblinden-Assistenz in Österreich

 

Am 26. September 2025 fand vor dem Parlament in Wien eine Kundgebung statt. Ziel der Kundgebung war, auf die Lebenssituation von taubblinden und hörsehbeeinträchtigten Menschen hinzuweisen und die Anerkennung und Finanzierung von Taubblinden-Assistenz in Österreich einzufordern. Die ÖHTB Beratungsstelle für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen in Wien organisierte die Kundgebung im Rahmen des Leuchtturm-Projektes „Brücken bauen“. Rund 120 Personen – bestehend aus Betroffenen, Angehörigen, Taubblinden-Assistent:innen, Dolmetscher:innen und andere Fachkräfte aus allen Bundesländern reisten an. Auch Lydia Kremslehner von der Selbsthilfegruppe Hörsehbehinderung und Taubblindheit aus Tirol war vertreten. Wir alle setzten gemeinsam ein starkes Zeichen für die dringenden Bedürfnisse der Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit. Denn Betroffene benötigen qualifizierte Taubblinden-Assistenz um an allen Teilen der Gesellschaft teilhaben zu können.

 

Mit mehreren Ansprachen in unterschiedlichen Kommunikationsformen wie in Gebärdensprache, taktiler Gebärden, Lormen, Lautsprache usw. verschafften wir uns vor dem Parlament Gehör. Nicht nur vor dem Parlament waren Betroffene sichtbar, sondern auch über verschiedene Medienformate konnten wir auf die Thematik aufmerksam machen:

  • In einem Video kommen Betroffene selbst zu Wort und erklären eindrücklich „Wir brauchen Taubblinden-Assistenz (TBA) … jetzt!“

https://youtu.be/-sbdP1jGPDQ?si=yZFnWfLKV-0g4MvG

  • Auch auf Ö1 sowie im ORF („Zeit im Bild 1“) wurde über die Aktion berichtet. Die Beiträge als Video, Audiodatei und auch in Textform angeschaut, nachgehört bzw. nachgelesen werden:

https://usher-taubblind.at/presse/medienbeitraege-2025/

 

Lydia Kremslehner MA, November 2025



Taubblind Schifahren

 

Hier ist ein spannender Internetbericht über das Taubblind Schifahren mit Video und Interviews von Torbjörn Svensson und Lydia Kremslehner:

https://tirol.orf.at/stories/3297924/

 

Torbjörn Svensson ist aus Schweden, taubblind und ein leidenschaftlicher Schifahrer. Er war im März 2025 in Tirol zu Besuch. Er war in Finkenberg im Zillertal mit seiner Familie und den Taubblinden-Assistent:innen schifahren. Gegenüber dem ORF Tirol erklärt er genau, wie das mit qualifizierter Unterstützung gelingt. In Schweden ist die qualifizierte Unterstützung viel besser ausgebaut im Vergleich zu Tirol und Österreich. In Österreich fehlt die qualifizierte Unterstützung für Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit. Ohne eine qualifizierte Taubblinden-Assistenz oder Taubblinden-Dolmetschung ist es schwierig gewisse Sportarten, Hobbies, Ausflüge und Urlaube durchzuführen. Diese ist aber aus meiner Sicht notwendig, um als betroffene Person das Leben selbstbestimmt führen zu können. Denn solcherart Unterstützungen sind das Auge und Ohr für Betroffene. Sie helfen in den Bereichen Information, Kommunikation und in der Mobilität und überwinden zahlreiche Hindernisse und Barrieren.

 

Ich bin, ähnlich wie Torbjörn Svensson, früher als Jugendliche auch sehr oft und gerne Schifahren gewesen. Leider habe ich nach meiner Diagnose „Usher-Syndrom“ meine komplette Schi-Ausrüstung verkauft. Ich dachte, das wäre mit dieser Behinderung nicht möglich. Aber es ist möglich und zwar mit qualifizierter Unterstützung! Ich hoffe auch, dass ich wie Torbjörn Svensson irgendwann wieder auf der Schipiste sein kann und das Gefühl von Freiheit erleben kann.

 

Ich danke Torbjörn Svensson für diesen Beitrag und die Motivation! Dieser Beitrag macht deutlich, dass Bedürfnisse von Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung im Grunde genommen gleich sind. Der große Unterschied liegt in den Rahmenbedingungen und im eigenen Land/Bundesland, um das zu ermöglichen. Es darf aber keinen Unterschied machen, wo Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit wohnen. Jede:r Betroffene sollte die Möglichkeit bekommen, Sportarten und Hobbies nachgehen und damit selbstbestimmt leben zu können.

 

Lydia Kremslehner MA, Juli 2025



Selbsthilfegruppe Hörsehbehinderung und Taubblindheit –

Gemeinsame Veranstaltung zu 10 Jahre Taubblindenarbeit Tirol

 

Gruppenfoto mit dem Vorstandsteam des Gehörlosenverbandes Tirol: von li nach re Jasmin Hacker_Irmgard Hammer_Lydia Kremslehner_Monika Mück-Egg. Lydia Kremslehner hält einen Blumenstrauß in der Hand

Gruppenfoto mit dem Vorstandsteam des Gehörlosenverbandes Tirol: von links nach rechts: Jasmin Hackl, Irmgard Hammer, Lydia Kremslehner, Monika Mück-Egg. Lydia Kremslehner hält einen Blumenstrauß in der Hand.

Die Selbsthilfegruppe Hörsehbehinderung und Taubblindheit arbeitet seit 2018 mit der Taubblindenberatung zusammen. Die Taubblindenberatung wird von Martina da Sacco geleitet und ist beim Gehörlosenverband Tirol angesiedelt. Die Taubblindenberatung feierte ihr 10-jähriges Bestehen mit einer Veranstaltung am 25.10.2024. Der Gehörlosenverband Tirol ermöglichte diese Veranstaltung im Gehörlosenzentrum. Neben Martina da Sacco und Barbara Latzelsberger von der ÖHTB-Beratungsstelle für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen in Wien hielt auch Lydia Kremslehner als Ansprechperson in Tirol einen Vortrag.

 

Martina da Sacco berichtete über die Taubblindenarbeit in Tirol in den letzten 10 Jahren.

Informationsmaterial auf einem Tisch: Visitenkarten, Folder, Lormkarten und Taubblinden-Buttons vom Verein Usher-Taubblind

Barbara Latzelsberger berichtete über das wichtige Projekt „Brücken bauen“ zur Etablierung von Taubblinden-Assistenz in Österreich.

Lydia Kremslehner berichtete über den österreichweiten Verein „Forum für Usher-Syndrom, Hörsehbeeinträchtigung und Taubblindheit“ und die Situation der Betroffenen.

 

Dank guter Vernetzungsarbeit von Lydia Kremslehner zum Land Tirol und zur Stadt Innsbruck konnten auch wichtige Personen aus der Politik eingeladen werden.

Vortragende von links nach rechts: Lydia Kremslehner, Martina da Sacco, Barbara Latzelsberger. Alle 3 Personen halten jeweils einen Blumenstrauß in der Hand.

Dies war das erste Mal, dass Personen aus der Politik vertreten waren. Auch Helene Jarmer, Peter Dimmel und Brigitte Baumann waren zu Besuch. Neben Interessierten, Angehörigen und Fachpersonen aus unterschiedlichsten Bereichen waren auch Betroffene vor Ort. Nach den Vorträgen gab es bei einem Buffet noch Zeit für Austausch und Vernetzung.

 

Die Veranstaltung war mit WLAN-Hörtechnik, Schriftdolmetschen, Gebärdensprachdolmetschen, taktiler Gebärdensprache und Lormen barrierefrei möglich.

3 Personen kommunizieren miteinander. Links steht eine taubblinde Person, diese empfängt von ihrer Taubblinden-Assistenz Lormen. Die Taubblinden-Assistenz steht gegenüber und übermittelt die Information von der gehörlosen Person. Die gehörlose Person steht rechts.

Als Probleme wurden fehlende offizielle Betroffenenzahlen und Dienstleistungen wie Taubblinden-Assistenz und Taubblinden-Dolmetschung mitsamt dazugehöriger Ausbildung und die Unwissenheit über die Bedürfnisse der Betroffenen geschildert. Aufgrund dieser mangelnden strukturellen Versorgungslage ist es für Betroffene schwer bis gar nicht möglich, überhaupt aktiv zu werden. Aus dem Grund kämpft Lydia Kremslehner weiterhin für die Anliegen der Menschen mit Hörsehbehinderung und Taubblindheit.

Übersichtsfoto von der rechten Seite des Raums im Gehörlosenverband Tirol. Blick ausgehend vom sitzenden Publikum in Richtung Vortragende. Vorne steht Lydia Kremslehner mit der Powerpoint Präsentation, links davon steht die Gebärdensprachdolmetschung.

 

 

Text verfasst von Lydia Kremslehner, MA

Original erschienen in Zeitschrift Selbsthilfe wirkt 3/2024, Ausgabe Dezember 2024

Bericht auf Seite 16+17 als PDF:

Bericht HSB+TB_Veranstaltung_Zeitschrift Selbsthilfe wirkt 3_2024

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